Gespräch buchen
← Alle Use Cases

Kann ich mit KI Geschäftsplanung, Prognosen und Szenarien für den Aufsichtsrat erstellen?

Neue Szenarien in Stunden statt Wochen und eine KI, die Ihre Planung prüft wie ein kritisches Aufsichtsratsmitglied. So bauen Sie es auf.

Kurz beantwortet

Ja. KI kann bei jedem Schritt der Planung erheblich helfen: beim Aufbau des Planungsmodells, bei Prognosen und Forecasts auf Basis Ihrer Ist-Daten, beim Durchrechnen von Szenarien und bei der Vorbereitung der Unterlagen für Aufsichtsrat oder Beirat. Was früher Wochen gedauert hat, etwa ein zusätzliches Szenario mit allen Auswirkungen auf Ergebnis, Bilanz und Liquidität, ist in Stunden erledigt.

Was KI nicht kann, ist die Zukunft kennen. Die wesentlichen Annahmen, etwa zu Marktentwicklung, Preisen, Großkunden oder Investitionen, trifft die Geschäftsführung. Die KI macht sichtbar, was aus diesen Annahmen folgt, und stellt unbequeme Fragen dazu.

Wo KI in der Planung ansetzt

  • Planungsmodell aufbauen: Die KI baut ein treiberbasiertes Modell, in dem Umsatz, Kosten, Personal, Investitionen und Finanzierung zusammenhängen, von der Budgetplanung bis zur Liquiditätsplanung. Ändert sich ein Treiber, rechnen Ergebnis, Bilanz und Liquidität automatisch mit. In Excel geschieht das mit nachvollziehbaren Formeln, die Excel selbst berechnet.
  • Prognosen rechnen: Aus den Ist-Daten der Vergangenheit erstellt die KI eine statistische Fortschreibung, etwa für Umsatz nach Produktgruppen, unter Berücksichtigung von Saisonalität und Trends. Das ist eine gute, neutrale Ausgangsbasis, gegen die sich die Erwartungen des Vertriebs spiegeln lassen.
  • Szenarien durchspielen: Basisfall, Chancen- und Risikoszenario, dazu gezielte Stresstests: Was passiert, wenn der größte Kunde wegfällt, die Materialkosten deutlich steigen oder sich ein Projekt um sechs Monate verzögert? Die KI rechnet die Auswirkungen durch und zeigt, ab wann es kritisch wird, etwa bei Liquidität oder Kreditauflagen.
  • Annahmen prüfen: Lassen Sie die KI Ihre Planung lesen wie ein kritisches Aufsichtsratsmitglied. Wo sind Annahmen optimistisch, wo widersprechen sie der Vergangenheit, wo fehlen Risiken? Das ist einer der wertvollsten Einsätze überhaupt.
  • Unterlagen vorbereiten: Kommentare zu Planung und Abweichungen, eine Zusammenfassung für das Gremium, Grafiken und eine Liste der Fragen, die der Aufsichtsrat voraussichtlich stellen wird, mit Antwortentwürfen.

So bauen Sie es auf

1. Ist-Daten verlässlich machen

Jede Planung beginnt mit den Zahlen der Vergangenheit. Klären Sie, aus welchen Systemen sie kommen und wie die Kennzahlen definiert sind. Wenn Umsatz in Buchhaltung und Vertrieb unterschiedlich gezählt wird, wird auch die beste Planung angreifbar.

2. Treiber festlegen

Welche Größen bestimmen Ihr Geschäft wirklich? Mengen und Preise, Auftragseingang und Auslastung, Stundensätze und Produktivität, Personalstärke und Lohnentwicklung. Die KI kann aus Ihren Daten Vorschläge machen, welche Zusammenhänge erkennbar sind. Die Auswahl treffen Sie gemeinsam mit dem Controlling.

3. Modell aufbauen und prüfen

Lassen Sie die KI das Planungsmodell aufbauen, im Werkzeug, das Ihr Controlling nutzt. Wichtig ist, dass das Modell nachvollziehbar bleibt: Formeln statt fest eingetragener Werte, Annahmen an einer Stelle gebündelt, klar getrennt von den Berechnungen. Prüfen Sie die Logik, also ob die richtigen Bezüge verwendet werden, so wie bei jedem Modell, das ein Mitarbeitender baut.

4. Szenarien definieren

Legen Sie fest, welche Szenarien das Gremium sehen soll und welche Annahmen sich jeweils ändern. Ergänzen Sie Stresstests für die Risiken, die Ihnen am meisten Sorgen machen. Die KI kann zusätzlich Risiken vorschlagen, an die Sie nicht gedacht haben.

5. Kritische Prüfung einbauen

Bevor die Unterlagen an den Aufsichtsrat gehen, lassen Sie die KI die Planung gezielt angreifen: Welche Annahmen sind schwach begründet, welche Zahlen passen nicht zusammen, welche Fragen wird das Gremium stellen? Was dabei herauskommt, prüfen Sie mit dem Controlling.

6. Unterlagen erstellen

Erst jetzt entstehen Präsentation und Begleittext. Die KI formuliert Kommentare und Zusammenfassungen. Die Kernaussagen und die Empfehlung kommen von Ihnen.

Was Sie beachten müssen

Verantwortung bleibt bei der Geschäftsführung. Gegenüber dem Aufsichtsrat zählt, dass Sie die Planung verantworten und jede wesentliche Annahme erklären können. Bei Aktiengesellschaften verlangt § 90 AktG ausdrücklich, dass der Vorstand dem Aufsichtsrat über die beabsichtigte Geschäftspolitik und die Unternehmensplanung berichtet. Eine Planung, deren Annahmen niemand im Haus begründen kann, ist dort angreifbar, egal wie sie entstanden ist.

Sorgfaltspflicht. Entscheidungen auf Basis der Planung müssen auf angemessener Informationsgrundlage getroffen werden. KI kann diese Grundlage verbessern. Überraschende Ergebnisse müssen trotzdem nachvollzogen werden, bevor sie in eine Entscheidung oder eine Gremienvorlage einfließen.

Vertraulichkeit. Planung, Szenarien und Gremienunterlagen gehören zu den vertraulichsten Informationen eines Unternehmens. Nutzen Sie nur Unternehmensversionen von KI-Diensten mit vertraglicher Zusicherung, dass Ihre Daten nicht zum Training verwendet werden. Bei börsennotierten Unternehmen kommen die Regeln zu Insiderinformationen hinzu.

Prognosen sind keine Fakten. Statistische Prognosen schreiben die Vergangenheit fort. Strukturbrüche wie ein neuer Wettbewerber, eine Krise oder eine Gesetzesänderung erkennen sie nicht. Stellen Sie Prognosen deshalb immer als Ausgangsbasis dar, nicht als Erwartung.

Typische Stolpersteine

  • Scheinpräzision. Eine KI-Prognose mit Nachkommastellen wirkt genauer, als sie ist. Bandbreiten und Szenarien sind ehrlicher und überzeugen ein erfahrenes Gremium mehr.
  • Black-Box-Modelle. Ein Modell, das niemand im Haus versteht, ist bei der ersten kritischen Frage des Aufsichtsrats wertlos. Nachvollziehbarkeit geht vor Raffinesse.
  • Controlling übergangen. Die KI beschleunigt das Controlling, sie ersetzt es nicht. Ohne seine Kenntnis der Daten und des Geschäfts fehlen Plausibilitätsprüfung und Erfahrung.
  • Zu optimistische Annahmen, schöner verpackt. KI macht eine Planung professioneller, aber nicht realistischer. Nutzen Sie sie auch als Gegenspieler, nicht nur als Formulierungshilfe.

Womit Sie anfangen

Beginnen Sie mit der nächsten Planungsrunde, aber nicht mit allem auf einmal. Lassen Sie die KI zunächst Ihre bestehende Planung kritisch prüfen und zwei, drei zusätzliche Szenarien durchrechnen. Das liefert sofort Mehrwert und zeigt, wie zuverlässig die Ergebnisse sind. Im nächsten Zyklus lassen Sie das Planungsmodell selbst mit KI aufbauen oder überarbeiten und die Gremienunterlagen damit vorbereiten.

Häufige Fragen

Kann KI die Zukunft meines Unternehmens vorhersagen?

Nein. KI kann aus Ihren Daten Muster erkennen und fortschreiben, saisonale Schwankungen berücksichtigen und Zusammenhänge zwischen Treibern sichtbar machen. Ob ein Großkunde abspringt, ein Wettbewerber den Markt verändert oder die Konjunktur dreht, weiß sie nicht. Deshalb sind Szenarien wichtiger als eine einzelne Prognose.

Ist eine mit KI erstellte Planung gegenüber dem Aufsichtsrat zulässig?

Ja. Entscheidend ist nicht, mit welchem Werkzeug die Planung erstellt wurde, sondern dass die Geschäftsführung sie verantwortet, die Annahmen erklären kann und die Zahlen stimmen. KI ist ein Werkzeug wie Excel oder eine Planungssoftware.

Welche Werkzeuge eignen sich?

Für viele mittelständische Unternehmen reicht Excel mit einem KI-Assistenten wie Claude in Excel, der Planungsmodelle mit nachvollziehbaren Formeln aufbaut. Wer bereits eine Planungs- oder BI-Software wie DeltaMaster, Jedox oder Board nutzt, sollte prüfen, welche KI-Funktionen dort verfügbar sind. Für Texte und Präsentationen eignen sich allgemeine KI-Assistenten.

Passt das zu Ihrem Unternehmen?

In 60 Minuten klären wir, ob sich dieser Use Case bei Ihnen lohnt, womit Sie anfangen und worauf Sie achten müssen.